Donnerstag, 18. Juni 2026 gegen 16:00 Uhr,
alles ist vorbereitet, wir – Schwestern vom armen Kinde Jesus – und viele Gäste, erwarten eine Königin in der Kind-Jesu-Kapelle, in Aachen, Jakobstraße 19. Die Kapelle gehörte zum ehemaligen Klostergebäude, das an die Kapelle angrenzt. In den 80er Jahren übernahm das Bistum Aachen beide Gebäude. Die Schwestern sorgen für die Kind-Jesu-Kapelle.
Ralf Knoblauch, Diakon in der Gemeinde ‚Thomas Morus‘ in Bonn Tannenbusch, bringt die von ihm aus altem Eichenholz gearbeitete Königin. Es ist interessant und eigentlich auch etwas geheimnisvoll wie, aus was und wann die Königsfiguren entstehen: Es ist in den frühen Morgenstunden, 5:00 Uhr in der Stille seiner Werkstatt, wie in einer Klosterzelle beginnt – ziemlich kontemplativ Ralf Knoblauch seinen Tag. Eine besondere Mischung zwischen Aktion und Kontemplation. Altes Eichenholz, Eichenbalken, sind sein Material, das vor langer Zeit vielleicht zum Bau eines Hauses gebraucht wurde. Aus solchen Balken holt er die Königsfiguren heraus. Es ist ein Prozess, unter seinen Händen entwickelt sich der König, die Königin und er / sie, trägt die Spuren von vielen Lebensjahren.
Ralf Knoblauch hat über tausend Königinnen und Könige aus altem Eichenholz herausgeholt, in der oben beschriebenen Atmosphäre und er hat sie nicht allein in Deutschland, sondern in viele Länder in soziale Einrichtungen, Schulen, Krankenhäuser, Hospize, Familien, Polizei…und viele andere Plätze gebracht.
Heute kommt eine Königin zu uns und unter unseren Gästen haben einige ihre Königsskulptur mitgebracht und auch stolz gezeigt und
sich gegenseitig von ihren Geschichten damit erzählt.
Diese Königsskulpturen bringen eine für unsere Zeit sehr wesentliche Botschaft mit: Ralf Knoblauch motiviert bei solchen Treffen auch immer dazu, die Figuren zu berühren, sie haben oft Risse, sind ziemlich grob bearbeitet, so wie es bei und in uns Menschen eben auch Risse und Spuren des Lebens gibt. Also berühren und sich selbst von den Königsfiguren innerlich berühren lassen. Und so etwas – wie eine innere Berührung, kann bei einer solchen Veranstaltung geschehen.
In ihrer Einfachheit, in Demut und Wahrheit, mit der Krone auf ihrem Kopf oder in der Hand, oder hinter sich, oder daneben, so in ihrem Dasein, teilen Sie mit:
Das, was ich habe, ist auch in Dir, es ist jedem Menschen geschenkt, weil er Mensch ist.
Ich bin eine Königin, ein König und die Königswürde ist mir auf meinen Weg mitgegeben und sie ist unantastbar und doch wird sie so viel in der großen, doch auch in unserer kleinen Welt nicht beachtet oder sogar verletzt.
Ralf Knoblauch ist im sozialen Brennpunkt Bonn – Tannenbusch unterwegs. Hier finden viele Begegnungen mit Menschen statt, deren Würde schon häufig mit Füßen getreten wurde, die um Ihre persönliche Würde ringen, manchmal gar nicht mehr daran glauben, sie suchen diese bei Menschen, die sie verstehen und ihnen Wertschätzung entgegenbringen.
So sind diese Skulpturen Hoffnungsträger, solche, die innere Freude aufkommen lassen.
Je mehr Menschen die Würde der anderen Person anerkennen, und dies auch leben, umso friedvoller kann das Zusammenleben sein. Dies sind doch Keimzellen des Friedens, den wir ersehnen.
Schon beim langsamen, ruhigen Eintreffen unserer Gäste konnte man Freude, Zuversicht und frohe Erwartung wahrnehmen. Es konnte der Eindruck entstehen, dass alle Personen, die nun in der Kind–Jesu-Kapelle sind, die Königsbotschaft verstanden und schon früher aufgenommen haben und teilten sie nun in der Begegnung mit anderen Personen, oder sie konnten sie auffrischen, auch durch die sehr guten praktischen und tiefsinnigen Beiträge einiger wichtigen Persönlichkeiten wie im Programm beschrieben.
Die wunderschöne, musikalische Gestaltung durch Schwester Beatriz Helena, Gitarre und Schwester Petra, Querflöte, ermöglichte den Teilnehmenden das Gehörte innerlich etwas zu vertiefen.
Hier einige Beispiele aus den Vorträgen:
Schwester Waltraud, die auch durch das Programm führte, bringt unter vielen anderen Gedanken einen aus unserem Glauben als Christen:
„Biblisch verstanden ist jeder Mensch Geschöpf Gottes. Jeder Mensch trägt Gottes Bild in sich. Jeder Mensch ist Gottes Ebenbild. Welche Aussage! Was bedeutet sie? Das Kind im Stall von Bethlehem, das Kind Jesus, zeigt genau das. Gott kommt nicht mächtig zur Welt, sondern klein, verletzlich und angewiesen. Das bedeutet seine Ebenbildlichkeit für den Gläubigen. Gerade darin liegt seine Größe. Darum passt dieser Ort so gut zu unserer heutigen kleinen Feier. Es ist der Ort, der den Namen des Kindes Jesus trägt.
Hier ruhen die Reliquien der seligen Clara Fey, Gründerin der Kongregation der Schwestern vom armen Kinde Jesus. Sie widmete ihr Leben den Armen und den vernachlässigten und benachteiligten Kindern. Mit großer Liebe und unerschütterlichem Glauben setzte sie sich dafür ein, ihre Würde zu schützen und ihnen Hoffnung, Bildung und Geborgenheit zu schenken. Ihre Botschaft erinnert uns bis heute daran, dass jedem Menschen eine unverlierbare Würde geschenkt ist.
Und hier, im Tabernakel, wird Gegenwart Gottes verborgen in der Gestalt von Brot deutlich. Gott selbst macht sich klein und unscheinbar, um jedem Menschen nahe zu sein. Die Gegenwart Christi im Brot erinnert uns daran: Jeder Mensch hat ein Recht auf Nahrung, auf Leben. Wo Menschen hungern, ausgegrenzt, misshandelt, getötet oder vergessen werden, verdunkelt sich unsere Welt.“
Als Stellvertretender Generalvikar hören wir von Domkapitular Hannokarl Weishaupt, auch unter vielen guten anderen
Gedanken und ziemlich zu Beginn, nachdem er die Grüße von Bischof und Generalvikar überbracht hatte:
„Als stellvertretender Generalvikar habe ich heute die schöne Aufgabe, diese Grüße weiterzugeben. Manche würden vielleicht sagen: Das ist die klassische Aufgabe eines Stellvertreters – dort zu sein, wo andere gerade nicht sein können. Ich selbst sehe das etwas positiver: Es ist ein Privileg, an einem Ort sein zu dürfen, an dem Kunst, Glaube und die Frage nach dem Menschen, auf so besondere Weise zusammenkommen. Und vielleicht passt das sogar zu den Königsfiguren von Ralf Knoblauch, denn sie erinnern uns daran, dass jeder Mensch eine Würde besitzt, die nicht von seinem Titel abhängt, ob Bischof, Generalvikar, stellvertretender Generalvikar oder Besucher, vor diesen Figuren tragen wir alle dieselbe Krone Ein weiterer, Gedanke: „Die großen Fragen des Lebens –Liebe, Hoffnung, Vertrauen, Vergebung, Trost – lassen sich nicht berechnen. Sie erschließen sich nur im menschlichen Miteinander. Deshalb sind diese Figuren auch Pilger der Hoffnung. Sie reisen durch Kirchen, Schulen, Krankenhäuser, soziale Einrichtungen und öffentliche Räume. Sie gehen dorthin wo Menschen leben, hoffen, leiden und nach Sinn suchen. Sie bringen keine fertigen Antworten mit, aber sie erinnern uns an etwas Entscheidendes: Hoffnung entsteht dort, wo Menschen einander Würde zusprechen. Kunst kann die Welt nicht unmittelbar verändern. Sie beendet keine Kriege und löst keine Konflikte. Aber Kunst kann unseren Blick verändern. Und jede Veränderung beginnt mit einem neuen Blick. Wer die Welt anders sieht, wird vielleicht auch anders handeln…“ „Wenn wir diesen Raum heute verlassen, nehmen wir kein fertiges Programm mit. Aber vielleicht nehmen wir eine Frage mit: ‚Wo kann ich einem Menschen helfen, seine Krone wiederzuentdecken?‘
Ralf Knoblauch und Schwester Pia führten ein Gespräch, bei dem durch ein paar persönliche Fragen an Herrn Knoblauch, seine innere Einstellung und Haltung deutlich wurde.
Wichtig war auch, dass er, obschon er dies bei anderen Gelegenheiten immer schon mitgeteilt hatte, den Beginn der Skulpturenarbeit erzählte. Damals, als der erste König entstand war es gewiss mit recht meditativen Gedanken. Und heute ist es ebenso: Die Ruhe, die Stille und die Meditation und die Frische des neuen Morgens, in seiner „Klause“, mit Freude, Begeisterung und Liebe geht er an sein Werk. Wir danken Ralf für seine Initiative, seine Freude und für seine Menschenfreundlichkeit.
Am Ende des Gespräches brachten wir die Königin an Ihren neuen Platz. Sie schaut zum Eingang der Kind-Jesu-Kapelle, so kann sie die Aufmerksamkeit kurz auf sich richten und weckt evtl. auch Fragen, die zu einem Gespräch anregen.
Oberbürgermeister Dr. Michael Ziemons erzählt von den Erfahrungen aus der Zeit seines Zivildienstes in einem unserer
Kinderheime. Dort waren viele Jahre unsere Schwestern in den Gruppenleitungen. Am Tag, als alle Schwestern aus diesem Dienst ausschieden und das Kinderheim verließen, sah er eine Schwester, an ihrer Hand ging mit ihr ein Kind, ein Abschiedsbild, das lange nachwirkte… Dr. Ziemons berichtete auch von einem Besuch mit einer Gruppe dort. Es hat sich äußerlich nichts verändert, die Gebäude der Kinder und Jugendeinrichtung sind noch wie zur Zeit seines Zivildienstes. Oberbürgermeister Ziemons war betroffen von diesem Zustand. Er bezeichnete ihn als ‚menschenunwürdig‘. Nun hat die Stadt entschieden, dass das Geld vom Bund zur Renovierung der Gebäude eingesetzt wird.
Er erinnerte sich auch daran, dass man sich oft erkundigte nach einer bestimmten Schwester. Diese hatte eine besondere Art Menschen zu begegnen, ob Kindern, Jugendlichen oder auch Mitarbeitenden. Sie interessierte sich für sie und das war echt und spürbar in der Begegnung. Der Mensch gegenüber war im Augenblick wichtig und er erfuhr dies, durch die ihm gezeigte und zugesprochene Wertschätzung.
Zum Abschluss des Programms gab es nochmal eine musikalische Besinnung mit Querflöte und Gitarre, gespielt von den beiden Schwestern Petra und Beatriz Helena. Danach waren alle Gäste im Garten des Generalvikariates zum Austausch bei einem kleinen Imbiss eingeladen. Froh und dankbar sind wir für diesen gemeinsamen Spätnachmittag und Abend in der Kapelle, der einige Personen glücklich gemacht hat, so die Rückmeldungen.
Allen, die an den Vorbereitungen mitgewirkt, und zur Gestaltung des Programms beigetragen haben, sagen wir ein frohes Dankeschön. Auch danken wir sehr herzlich, Diakon Ralf Knoblauch, für seinen Besuch bei uns und dafür, dass nun eine Königin in der Kind-Jesu-Kapelle bis zum Herbst bei uns zu Gast ist.. Mit ihr werden wir gewiss noch einige Begegnungen und Austausch mit ‚Würde‘ liebenden und sich dafür einsetzenden Personen haben (Sr. Pia Bender).
