Seligsprechung

 

Bistum Aachen/AndreasSteindl

5. Mai 2018 – Seligsprechung Clara Fey

Die Aachenerin Clara Fey, Ordensgründerin der Schwestern vom armen Kinde Jesus, wurde am Samstag, 5. Mai 2018, in Aachen seliggesprochen. Die Feierlichkeiten begannen um 10 Uhr im Hohen Dom zu Aachen. Zelebriert wurde das Pontifikalamt von Angelo Kardinal Amato SDB, Präfekt der Kongregation für die Selig- und Heiligsprechungsprozesse.

„Clara Fey hat ihr Leben den Schwächsten der Gesellschaft gewidmet, den Kindern. Ihr Wirken ist Sinnbild gelebter Nächstenliebe. Bis heute versammeln sich viele Schwestern in ihrem Geist. Ich freue mich sehr, dass mit ihrer Seligsprechung dann drei Schulfreundinnen derselben Aachener Lehrerin Luise Hensel Selige des Himmels sein werden: Franziska Schervier, Pauline von Mallinckrodt und Clara Fey“, sagte Aachens Bischof Dr. Helmut Dieser. Die Seligsprechung Clara Feys war die erste, die im Bistum Aachen stattgefunden hat.

Zur Seligsprechung ihrer Ordensgründerin wurden mehrere hundert Schwestern und Gäste aus der ganzen Welt in Aachen erwartet. Die Plätze für das Pontifikalamt im Aachener Dom reichten bei weitem nicht aus. Deshalb wurde der feierliche Gottesdienst vom Domradio auf den gut besetzten Aachener Katschhof übertragen. Zudem gab es einen Live-Stream im Internet. Nach der Seligsprechung war der Aachener Dom von 14.00 bis 17.00 Uhr geöffnet. Dort konnten die Reliquien der Seligen Clara Fey verehrt werden. Auf dem Münsterplatz gab es für alle Interessierten ein Begegnungsfest, das von 12.30 bis 17.30 Uhr ein buntes Bühnenprogramm bot und die Möglichkeit, bei Speisen und Getränken miteinander in Kontakt zu kommen. Den Abschluss des Tages bildete die Vesper mit Bischof Dr. Helmut Dieser um 18.00 Uhr im Aachener Dom.

Am Sonntag, 6. Mai, fand die Translatio (Überführung) von Clara Feys Reliquien in die Kind-Jesu-Kapelle in der Jakobstraße statt. Nach dem Pontifikalamt mit Bischof Dr. Helmut Dieser im Aachener Dom, bewegte sich die Fußprozession zur Kapelle.

Rund ein Jahr vorher hatte Papst Franziskus das Dekret zur Seligsprechung der Aachener Ordensgründerin Clara Fey autorisiert. Clara Fey wurde am 11. April 1815 in Aachen geboren und gründete 1844 zusammen mit drei Weggefährtinnen die Kongregation der Schwestern vom armen Kinde Jesus. Ihr Leitwort war das Wort aus dem Johannesevangelium „Manete in me“ („Bleibt in mir“). Sie starb am 8. Mai 1894 in Simpelveld (Niederlande), wohin 1878 das Generalmutterhaus aufgrund des Kulturkampfes in Deutschland offiziell verlegt worden war.

Im Jahr 2012 wurden die sterblichen Überreste Mutter Claras von Simpelveld nach Aachen in die Nikolauskapelle des Hohen Doms übertragen, wo sie eine vorübergehende Ruhestätte fanden. Die Generalleitung hat seitdem auch wieder ihren Sitz im ehemaligen Mutterhaus in der Jakobstraße.

Gegenwärtig gibt es Schwestern der Kongregation in Österreich, Belgien, Kolumbien, Deutschland, Spanien, Frankreich, England, Indonesien, Lettland, Luxemburg und in den Niederlanden. Zurzeit sind es etwa 450 Schwestern, die ihre apostolische Arbeit in Kindergärten, Grund- und Realschulen, Gymnasien, in Katechese, Gemeinde- und Familienpastoral, bei Immigranten, Arbeits- und Obdachlosen, in Gesundheitszentren, Armenküchen sowie anderen Aktivitäten, in denen sie vorwiegend arme Menschen betreuen, ausüben.

 

Was die Seligsprechung Clara Feys für mich bedeutet

Foto: Bistum Aachen/Andreas Steindl

 

Schwester María del Rocio, Oberin der Provinz Kolumbien, Generaloberin von  2008-2014

Am 5. Mai 2018 ging die Sonne auf über Aachen, und an diesem Frühlingstag war der Himmel außergewöhnlich blau. Die Sonnenstrahlen kamen mir vor wie ein Widerschein der tiefen Empfindung von Freude, die in meinem Herzen herrschte. Endlich wurde ein Traum wahr, der mich über einen großen Teil meines Ordenslebens begleitet hatte: mitzuerleben, wie Clara Fey von der Kirche anerkannt wurde als eine Frau, die in vorbildlicher Weise die Nachfolge Jesu gelebt hat. Der Dom, das Festgeläut der Glocken, die Musik, meine Mitschwestern aus der Kongregation vom armen Kinde Jesus, die aus vielen Ländern gekommen waren, alle anderen Gäste, die Stadt Aachen, die ihr Festgewand angelegt hatte, alles sprach zu mir von diesem Fest, von der Freude im Himmel und auf Erden.

Diesen Tag habe ich mit großer innerer Freude erlebt und ich habe Gott gedankt, dass ich eine Schwester vom armen Kinde Jesus sein darf, dass ich aufgewachsen bin und gelebt habe mit dem geistlichen Erbe der geliebten Mutter Clara. Ihr zärtlicher Blick, ihre Freude und der Widerschein ihres Lebens in enger Vereinigung mit dem Herrn haben mich begleitet und waren meine Motivation, mich einzusetzen im Dienst für das arme Kind Jesus.

Seit meiner Kindheit und Jugend am Kolleg der heiligen Klara in Bogotá hat mich die Gestalt von Mutter Clara stark beeindruckt. Eine meiner liebsten Kindheitserinnerungen ist das Bild, auf dem zu sehen ist, wie Mutter Clara Kinder zum Jesuskind in der Krippe führt. Gemalt hat es Schwester Amabilis. In meiner Familie erzählte man sich, dass Mutter Clara in Bethlehem gewesen war, denn so ein Bild gab es in unserem Kolleg. Seit dieser Zeit habe ich sie geliebt, mich ihr nahe gefühlt, habe ich ihre Fürsprache erfleht.

Dann habe ich die Schriften von Mutter Clara gelesen. Unsere älteren deutschen Mitschwestern haben uns ihre Überlieferungen erzählt. So bin ich in Kontakt gekommen mit den Orten, den Erinnerungsstücken, den Büchern; und alles, was mit ihrem Leben zusammenhing, hat mein Herz tief bewegt. Oder besser gesagt: Es hat mein Herz so erschüttert, dass ich mich eingeladen gefühlt habe, ihre Persönlichkeit und ihre Spiritualität immer tiefer kennenzulernen und ihren Spuren zu folgen.

Als ich dann eine Schwester vom armen Kinde Jesus war, war es für mich ganz natürlich und wie eine gute Gewohnheit, immer wieder Zuflucht bei Mutter Clara zu suchen, und in meinem Gebet erhört zu werden. Wenn ich z.B. mit einer schwierigen Situation bei einem Mädchen oder einem Jungen in unserer Schule konfrontiert war, da war es, als ob durch die Vermittlung von Mutter Clara Gott mir helfen würde, eine Lösung zu finden, die für unsere Kinder gut war. An einem bestimmten Tag im Jahr 2000 wurde bei mir „zufällig“ ein Hirntumor festgestellt. Wenn diese Entdeckung Monate später stattgefunden hätte, wäre dieser Tumor tödlich gewesen. In dieser Erfahrung spürte ich eine Hand, die mich beschützt. Sie hat mich auch begleitet bei der Operation und in der Erholungszeit. Immer war sie an meiner Seite als Begleiterin, sie hat mich gehört und mir guten Rat gegeben.

Ich bin überzeugt, dass Mutter Clara niemals im Vordergrund stehen und berühmt werden wollte. Ihre Hilfestellung bezog sich immer auf das Feld der geistlichen Bekehrung, die Veränderung der Lebenseinstellungen auf dem Weg zum Wachsen und Reifen der Person und des heiteren Annehmens komplizierter Situationen.

Schon bevor ich die Generalleitung des Ordens übernahm, war ich fest davon überzeugt, dass die Fürsprache von Mutter Clara beim Herrn wirksam ist. Es war mein tiefster Wunsch, dass sie von der Kirche als Selige anerkannt würde. Für mich lag der Grund dafür keinesfalls im geheimen Stolz, laut verkünden zu können: „Clara Fey, unsere Gründerin, ist selig“. Ich dachte vielmehr daran, wie gut es wäre für die Kongregation und für die ganze Kirche, solche Vorbilder zu haben, die uns einen einfachen, aber klaren Weg zeigen, dem Herrn in Heiligkeit zu folgen. Genau das ist für mich Mutter Clara, eine Mutter, die uns bewegt und inspiriert, heilig zu werden. Das sagt mit Nachdruck auch Papst Franziskus, wenn er uns einlädt, auf einfache, tägliche und tiefe Weise in der „Gegenwart des Herrn“ zu leben, von einer eucharistischen Kommunion zur nächsten. Das Leben, das geistliche Programm („Die Lebenspraxis“), die Schriften und die Pädagogik von Clara Fey sind wirklich starke Antriebe für uns, ihre Töchter, und für alle, die sich mit ihr beschäftigen.

Schon vor ihrer Seligsprechung war es wichtig, über all das zu den Schwestern, zu den Laien, die der Kongregation verbunden sind, zu den Kindern und Jugendlichen in unseren Schulen und Einrichtungen, den Angehörigen und allen anderen zu sprechen. Und jetzt heißt es umso mehr: Die Kirche hat anerkannt, dass das geistliche Lebensprogramm Mutter Claras ein sicherer Weg zur Heiligkeit und ein außergewöhnliches Geschenk Gottes ist. Wir teilen das geistliche Erbe einer großen Frau.

Nach meiner Auffassung kamen im Prozess der Seligsprechung viele Elemente zusammen, die der Vorsehung Gottes entsprachen. Als die Schwestern Simpelveld verließen, nahmen sie die sterblichen Überreste von Mutter Clara mit nach Aachen – ihre Heimatstadt, Gründungsort und Quellort unserer Kongregation. Die Aachener haben sie mit großer Freude und Hoffnung aufgenommen. Und wir, ihre Töchter, trugen in uns den starken Wunsch und die Zuversicht, dass sie bald seliggesprochen würde.

Die Zeit, in der die sterblichen Überreste Clara Feys im Aachener Dom verehrt wurden, gab hunderten, vielleicht tausenden von Menschen Gelegenheit, ihr näher zu kommen, nach ihrer Gestalt zu fragen, ihre Fürsprache anzurufen und Erhörung in ihren Anliegen oder Sorgen zu erlangen. Wenn man in die Grabkapelle hineinging, trat man vor ihr Bild und sie blickte einen aufmerksam, heiter, lächelnd an. Dort standen immer Blumen und Kerzen, die ganz unterschiedliche Menschen den Schwestern gebracht hatten. All das war für mich eine Art Bestätigung von Gott her. Eine Frau, die wegen ihrer Nähe zu Gott so bewundert und geliebt wird, hat uns ganz viel zu sagen.

Bis heute lebe ich aus der Freude dieses unvergesslichen 5. Mai 2018. Sie beseelt und motiviert mich, mit all meinen Kräften „ganz für Jesus, für Jesus allein“ zu leben, so wie Clara Fey es für jede von uns, ihre Töchter, gewünscht hat.

 

Wie ich die Seligsprechung Clara Feys erlebte

Foto: Bistum Aachen/Andreas Steindl

Sr. Shella – Novizin der indonesischen Provinz der Schwestern vom armen Kinde Jesus

Im Mai 2018 kam ich mit einer Delegation aus Indonesien nach Aachen, um dort an der Feier der Seligsprechung unserer Ordensstifterin teilzunehmen. Die Tage in Aachen waren etwas ganz Besonderes, denn wir hatten die Gelegenheit, Clara Feys Heimatstadt kennenzulernen, mit den Orten, an denen sie und ihre : B aufgewachsen sind und schließlich ihrer Berufung folgten. In der Nachfolge Jesu Christi wollten sie für elternlose oder vernachlässigte Kinder sorgen. Außerdem konnten wir im neuen Clara-Fey-Museum in Simpelveld ihr Arbeits- und Sterbezimmer sehen, Handarbeiten und andere Gegenstände, die noch von ihr selbst stammen und viele Dinge, die von der Geschichte unserer Kongregation erzählen.

Besonders eindrücklich waren auch die Seligsprechung selbst und der Dankgottesdienst am Tag danach mit der anschließenden Prozession, mit der der Reliquienbehälter in die Kind-Jesu-Kapelle in der Jakobstraße übertragen wurde. Damit sind ihre sterblichen Überreste an den Ort zurückgekehrt, von dem ihr Werk einmal seinen Ausgangspunkt nahm. Ich dachte: Sie war einmal ein junges Mädchen, das Jesus nachfolgen und seinen Willen tun wollte, indem es für „seine armen Geschwister“ sorgte. Später war sie eine junge Frau, die ihre Berufung gefunden hatte und mit Weitsicht und Charisma, das heute noch Auswirkungen hat, die Mitschwestern in der Kongregation geführt hat. Dieser Aufgabe blieb sie treu bis an ihr Lebensende. Ihr Glaube und ihr Leben haben viele andere beeinflusst, und sie ist ein besonderes Vorbild in der Kirche geworden. Das wird durch die Seligsprechung verdeutlicht und viele Menschen aus der ganzen Welt haben daran teilgenommen und sie in der Feier verehrt. Der hohe Stellenwert, der ihr zuerkannt wird, zeigt sich auch darin, dass der Reliquienschrein, in dem sie ihre endgültige Ruhestätte gefunden hat, für die Menschen zugänglich ist.

Ich selbst durfte im Dom an der Seligsprechung teilnehmen, die Fürbitte auf Indonesisch vorlesen und den Schrein mit den Reliquien berühren. Das war ein außergewöhnliches, beinahe mystisches Erlebnis für mich, das mich sehr tief berührt hat. Wenn ich mich frage, was diese Seligsprechung für mich bedeutet, so denke ich, dass die Freude darüber mein Leben noch lange beeinflussen wird. Wie Clara Fey möchte ich von Herzen ganz Gott gehören, ihm treu sein und mich in der Nachfolge weiterentwickeln. Der richtige Platz dafür ist für mich die Kongregation der Schwestern vom armen Kinde Jesus, wo dem Vorbild Clara Feys auch heute noch nachgeeifert wird. Ich bete für mich, meine Mitschwestern, aber auch für alle anderen Ordensleute und Christen, dass wir unseren Glauben, unsere Hoffnung und unsere Liebe so lebendig erhalten wie die selige Clara vom armen Kinde Jesus.

 

 

 

 

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